Eine Schule im Wandel der Zeit – über 70 Jahre KHS St. Hedwig

Von den bescheidenen Anfängen im Jahr 1955 bis zur modernen Schule von heute: Die Geschichte der KHS St. Hedwig ist eine Geschichte des Wachstums, der Veränderung und des stetigen Aufbruchs.

Am 26. April 1955 begann ein neues Kapitel der Bonner Schulgeschichte: Die „Katholische Volksschule St. Hedwig“ wurde gegründet. Die ersten Unterrichtsstunden fanden zunächst unter provisorischen Bedingungen im Gebäude der Karlschule an der Dorotheenstraße statt. Doch schon wenige Monate später stand der erste große Meilenstein bevor: Am 8. Oktober 1955 bezog die Schule ihr neues Zuhause an der Josefshöhe 1 – dort, wo sie bis heute verwurzelt ist.

Das neue Schulgebäude hatte einiges zu bieten. Neben zwölf Klassenräumen standen eine Lehrküche, ein Werkraum, eine Singhalle und eine Turnhalle zur Verfügung. Doch das Haus war weit mehr als nur ein Ort des Lernens: Auch die Jugendbücherei der Stadt Bonn und ein öffentliches Brausebad waren hier untergebracht. Zudem teilte sich die Hedwigschule ihre Räume mit der Jahnschule und der Heinrich-Lessenich-Schule. Das Gebäude war also von Anfang an ein lebendiger Ort, an dem sich ganz unterschiedliche Menschen begegneten.

Doch der Platz wurde schnell knapp. Immer mehr Kinder benötigten Raum zum Lernen, und die vorhandenen Kapazitäten stießen bald an ihre Grenzen. Neue Gebäudeteile sollten Abhilfe schaffen: Ein Pavillontrakt und ein Erweiterungstrakt zur Richthofenstraße brachten dringend benötigte zusätzliche Räume. 1969 wurden schließlich sechs Variellklassen aufgestellt. Der Preis für diese Erweiterung war allerdings hoch: Die Schule verlor ihren Schulsportplatz.

Nicht nur die Gebäude, auch das Schulsystem veränderte sich grundlegend. Mit dem Schuljahr 1968/69 wurden in Nordrhein-Westfalen die Volksschulen durch Grund- und Hauptschulen ersetzt. Für die Hedwigschule bedeutete dieser Umbruch eine neue Identität – und zugleich heftige kommunalpolitische Auseinandersetzungen. Am Ende stand die Umbenennung in „Katholische Hauptschule an der Josefshöhe“.

Mit 707 Kindern nahm die Schule den Unterrichtsbetrieb auf. Die Schülerzahl war so groß, dass ein Teil der Kinder vorübergehend im Bonner Süden an der Germanenstraße unterrichtet werden musste. Fünf Klassen wurden ausgelagert – zunächst mit der Maßgabe, dass diese Lösung nur ein Jahr dauern sollte. Es war eine Zeit, in der die Schule mit organisatorischen Herausforderungen und knappen Räumlichkeiten zu kämpfen hatte.

Auch in den folgenden Jahren blieb das Gebäude ein gemeinsamer Lernort: Die Heinrich-Lessenich-Schule und die Hedwig-Grundschule nutzten weiterhin Teile des Hauses. Erst 1976 konnte die Hauptschule endlich das gesamte Schulgebäude für sich beanspruchen. Zwei Jahre später folgte ein weiterer Schritt zurück zu den eigenen Wurzeln: 1978 erhielt die Schule wieder ihren vertrauten Namen – Katholische Hauptschule St. Hedwig.

Die Schule blieb nicht stehen. Sie entwickelte sich weiter und passte sich den Bedürfnissen ihrer Schülerinnen und Schüler an. Im März 2011 wurde die neue Mensa eingeweiht. Sie bot Platz für 50 Kinder und schuf einen zusätzlichen Raum für Begegnung und gemeinsames Essen.

Doch die nächste Herausforderung ließ nicht lange auf sich warten. Die in die Jahre gekommenen Variellklassen waren zunehmend baufällig, während der Platzbedarf weiter stieg. 2019 wurde deshalb ein zweigeschossiger Neubau mit sechs Klassenräumen genehmigt. Nach Jahren der Planung und Vorbereitung konnte das neue Gebäude, von den Schülern auch "Schulvilla" genannt,  schließlich 2023 feierlich eingeweiht werden. Der barrierefreie Neubau setzte ein deutliches Zeichen: Die KHS St. Hedwig investiert in ihre Zukunft und schafft moderne Lernräume für kommende Schülergenerationen.

Bei allen Veränderungen gab es etwas, das die Geschichte der KHS St. Hedwig besonders prägt: eine bemerkenswerte Kontinuität in der Schulleitung. Seit der Gründung im Jahr 1955 haben lediglich fünf Schulleiter und vier Konrektoren die Entwicklung der Schule begleitet. Sie haben Veränderungen gestaltet, Herausforderungen gemeistert und die Schule über Jahrzehnte hinweg geprägt.


  • 1955–1967: Fritz Beste
  • 1967–1982: Paul Martin und Ruth Hohagen
  • 1982–2003: Günter Gemüngt und Hubert Lödorf
  • 2003–2012: Hubert Lödorf und Angelika Polifka
  • Seit Februar 2012: Silvia Rigoll als Rektorin und Frank-Michael Tietz als Konrektor


Von den ersten provisorischen Klassenräumen über überfüllte Schulgebäude und politische Umbrüche bis hin zu modernen, barrierefreien Lernräumen: Die KHS St. Hedwig hat in mehr als sieben Jahrzehnten viele Veränderungen erlebt. Sie hat sich immer wieder neuen Bedingungen gestellt, ist gewachsen und hat sich weiterentwickelt.

Eines ist dabei geblieben: die Verbundenheit mit ihrem Standort an der Josefshöhe. Hier lernen, leben und begegnen sich Generationen von Schülerinnen und Schülern. Die Geschichte der KHS St. Hedwig ist deshalb nicht nur ein Rückblick auf vergangene Jahrzehnte – sie wird jeden Tag von den Menschen weitergeschrieben, die unsere Schule zu dem machen, was sie ist.


Ein weiterer interessanter Artikel zu einem verschwunden Brunnen, einer Pausenhalle und einem hochmodernen Gong findet sich hier:

https://ga.de/bonn/stadt-bonn/bonns-sechste-volksschule-ist-besonders-modern_aid-42542865